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Über ein Jahr lang und an drei intensivien Chorwochenenden bereiteten sich der Chor St. Martin und die Martinis auf die große Herausforderung vor. Das Bild (AMP) entstand beim zweiten Wochenende am 30. Juni 2013.


Johann Sebastian Bach
h-Moll-Messe

29. September 2013, 17 Uhr
Gabriela Eibenová, Sopran
David Erler, Alt
Georg Poplutz, Tenor
Andreas Pruys, Bass
Chor St. Martin und Martinis
Barockorchester L'arpa festante
Leitung: Franz Fink

Hintergrund

Mehr zum Werk, mehr zu seinem Aufbau (englisch)

Das Wagnis hat sich gelohnt


Bachs „h-Moll-Messe“ in St. Martin in Idstein

01.10.2013 - IDSTEIN

Von Manuel Wenda

Die „h-Moll-Messe“ nimmt in vielerlei Hinsicht eine Sonderstellung im Schaffen Johann Sebastian Bachs ein. Zunächst fällt auf, dass hier ein lutherischer Komponist den gesamten lateinischen Messetext vertonte, doch gerade auch in musikalischer Hinsicht ist sie herausragend. Bach arbeitete über zwei Jahrzehnte an der Messe und entfaltete in ihr sämtliche Facetten und Nuancen seines kompositorischen Könnens. Vermutlich hat er sie jedoch niemals selbst gehört, die Uraufführung fand erst 1859 über 100 Jahre nach seinem Tod statt.

Höchste Ansprüche

Sie stellt in ihrer Komplexität höchste Ansprüche an Interpreten. Im Sommer 2012 dachte Franz Fink, Kantor von St. Martin in Idstein, darüber nach, ob er sich mit dem Hauptchor seiner Gemeinde und dem Kammerchor, den Martinis, an das monumentale Werk heranwagen könne. Gemeinsam nahmen die Mitglieder die Herausforderung an, die Probezeit wurde drastisch erhöht und man bereitete sich ausführlich auf ein Konzert als Gottesdienst vor.

Am vergangenen Sonntag fand schließlich die Aufführung in St. Martin statt. Begleitet wurde der Chor von dem in München beheimateten Barockorchester L’arpa festante, das in erster Linie für Wiederaufführungen unbekannterer Werke der Barockzeit bekannt ist. Die Interpreten fanden schnell in den Kern der Musik. Das einleitende flehentliche „Kyrie eleison“ stieg in St. Martin auf. Bach vollendete die „h-Moll-Messe“ am Ende seines Lebens. Ihre Grundstimmung ist von duldsamem Klagen und der festen Hoffnung auf Erlösung geprägt. Chor und Orchester vermochten zu vermitteln, dass dieser Musik eine Endgültigkeit innewohnt. Ursprünglich war Janina Moeller, die Stimmbildnerin der Chors von St. Martin, als Solistin vorgesehen, doch leider musste sie aus gesundheitlichen Gründen absagen. Die aus Prag stammende Sopranistin Gabriela Eibenová erwies sich allerdings als würdiger Ersatz, sie und der Leipziger Altus David Erler gestalteten das „Christe eleison“ überaus anmutig. Schön war auch das Wechselspiel zwischen dem Bass Andreas Pruys und dem Waldhorn in der Arie „Quoniam tu solus sanctus“.

Der sich anschließende Jubelchor „Cum sancto spiritu“ verlangt Sängerinnen und Sängern sehr viel ab, doch es zeigte sich, dass die harte Probearbeit von Fink und seinen Chören Früchte getragen hat. L’arpa festante musizierte durchgehend mit einem feinen und schlanken Klang. Zu den intensivsten Momenten der Aufführung gerieten die Sätze „Et incarnatus est“, „Crucifixus“ und „Et resurrexit“. Hier waren Chor und Orchester ganz dicht beieinander.

Mit warmem und klarem Timbre sang der Tenor Georg Poplutz das kontemplative „Benedictus“. Eine Bitte um Frieden bildet den Schlusspunkt der „h-Moll-Messe“. Franz Fink, der Chor St. Martin und die Martinis sind ein Wagnis eingegangen. Es hat sich gelohnt.

 

 

Generalprobe



 

In der öffentlichen Generalprobe am 28. September 2013 erlebten vor allem Kinder, wie ein Konzert entsteht. Gabriela Eibenová und David Erler probten ihre Duette, Andreas Pruys besprach Einzelheiten mit Franz Fink. Der Continuo-Spieler des Barockorckesters L'arpa festante spielte Cembalo und Orgel am Konzerttag aus einem Faksimile von Bachs Partitur. (Bilder: Gerda Arendt)