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Geschenk für Idstein

23.12.2010 - IDSTEIN

Von Beke Heeren-Pradt

KONZERT Frankfurter Kammerchor zu Gast

So etwas bekommt das Idsteiner Konzertpublikum nur äußerst selten zu hören: perfekt ausgewogener Chorklang auf allen Stufen der musikalischen Dynamik, hundertprozentige Textverständlichkeit, professionelle Musikalität gepaart mit inspirierender Musizierfreude. Die Besucher des Konzertes des Frankfurter Kammerchores am Dienstagabend in der Idsteiner Kirche St. Martin bekamen drei Tage vor Heiligabend mit diesem Konzert schon einmal vorab ein Weihnachtsgeschenk.

In knapp eineinhalb Stunden präsentierten die 25 Choristen unter der Leitung des emeritierten Professors der Frankfurter Musikhochschule Wolfgang Schäfer nicht nur ein äußerst intelligent gestaltetes, anspruchsvolles Programm mit Chorstücken zur Weihnachtszeit, sondern vor allem Chormusik, wie sie schöner nicht vorstellbar ist. Klang pur erfüllte den großen Kirchenraum, im leisesten Pianissimo ebenso wie im stets äußerst kultivierten Forte. Mit forderndem und raumgreifendem Dirigat führte Wolfgang Schäfer, der bis 2008 den Lehrstuhl für Chordirigieren an der Frankfurter Musikhochschule innehatte, die jungen Sänger durch die polyphonen Sätze, deren Entstehungszeit vom frühen 16. Jahrhundert bis in die Moderne reichte. Der junge beeindruckende Frankfurter Organist Peter Scholl ergänzte das Programm mit passend ausgewählten Orgelstücken. Mit dem Ausscheiden ihres Professors hatten die ehemaligen Studenten 2008 den Frankfurter Kammerchor gegründet, um mit ihm weiter Chormusik auf professionellem Niveau machen zu können. Sie haben damit einen der profiliertesten deutschen Chordirigenten als künstlerischen Leiter.

In fünf Abschnitte war das Konzert gegliedert, die den gesamten Weihnachtsfestkreis musikalisch beleuchteten. Vom berühmten Johannes Eccard-Satz „Übers Gebirg Maria geht“ bis zu einem modernen „Adventskyrie“ von Günther Raphael, das das Lied „Maria durch ein Dornwald ging“ verarbeitet, ging es im ersten Abschnitt, dem ein Magnificat von Buxtehude an der Orgel vorangestellt war, um die Ankündigung der Geburt Christi. Drei verschiedene „Ave Maria“ folgten. Im Mittelpunkt des dritten Abschnitts stand „Vom Himmel hoch“.

Zwei verschiedene Choralbearbeitungen von Max Reger als Orgelstücke rahmten das moderne „Das Volk das im Finstern wandelt“ von Albert Becker ein, das ebenfalls die Choralmelodie „Vom Himmel hoch da komm ich her“ einbezieht. Der berühmte Prätorius-Satz „Es ist ein Ros entsprungen“ bekam in der Interpretation des Frankfurter Kammerchores ein ganz neues Gewand.

Bei den folgenden Stücken von Andrea Gabrieli und Heinrich Schütz zeigte der Chor eine ganz besondere Expertise für alte Musik, ehe es im letzten Abschnitt des Konzertes, dem der Feier des Weihnachtsfestes, um eher moderne Chorstücke ging, bei denen zu aller Präzision auch ganz besondere Musizierfreude hinzutrat.

Die Sänger schufen mit unterschiedlicher Aufstellung für jedes Stück eine ganz eigene Klangwirkung, mal herkömmlich dicht nach Stimmen geordnet, mal weiter auseinandergezogen, gemischt.

Der jederzeit perfekt abgestimmte Chorklang erhielt so zusätzliche Akzente. Welch frappierende Wirkung das haben kann, zeigte sich bei der Zugabe „Stille Nacht“. Der Chor stellte sich im großen Kreis um die Sitzreihen des Kirchenraumes und schloss die Zuhörer ein in seinen Klang: und noch einmal ein Höhepunkt.