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Nach dem Konzert am 14. November 2010 gab es die erwünschte lange Stille und dann begeisterten Beifall.

Anspruchsvolle Aufgabe

Verdi-Requiem als gelebte Ökumene in St. Martin Idstein

 

16.11.2010 - IDSTEIN

Rezension von Richard Hörnicke im Wiesbadener Tagblatt

 

Hans von Bülow bezeichnete Giuseppe Verdis „Requiem“ zu Unrecht als „Oper im Kirchengewande“, übersieht wie viele andere, dass sich Verdi der musikalischen Sprache bedienen musste, die ihm als größtem italienischem Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts zur Schilderung menschlicher Schicksale zur Verfügung stand.

 

Für den Freidenker war die Komposition der Totenmesse aufgrund vieler Todesfälle in seinem engsten Freundeskreis ein individuelles Bekenntnis, das sich auf der Grundlage des christlichen Glaubens mit der unausweichlichen Tatsache des Todes in ergreifender Weise auseinandersetzt. Die kreative Angst vor dem Ende des Lebens erhält vor allem in der Sequenz des „Dies irae“ ergreifendes Format, die im beschließenden „Libera me“, der Keimzelle des Werks, wiederkehrt.

 

Die Sängerinnen und Sänger der Idsteiner Kantorei, beheimatet in der evangelischen Unionskirche, sowie der katholischen Pfarrkirche, Chor St. Martin und Martinis, stellten sich mit der Aufführung des Werks einer großen Herausforderung im Sinn gelebter Ökumene.

 

In der bis auf den letzten Platz besetzten Aufführung in St. Martin am Volkstrauertag zog nach der leisen, fast tonlosen Einleitung die expressive Gestaltung des „Dies irae“ bis zum verinnerlichten Ausklang die Zuhörer in Bann.

 

Die große Anzahl der Choristen, die im Verein mit den Instrumentalisten der Nassauischen Kammerphilharmonie den Altarraum füllten, lieferten ein beeindruckendes Beispiel gründlicher Probenarbeit ab, die bei Carsten Koch für die Idsteiner Kantorei und Franz Fink für die Choristen von St. Martin lag, beide teilten sich mit präziser, fein abschattierender Zeichengebung in das Dirigat.

 

Die vereinigten Choristen bewältigten ihre anspruchvolle Aufgabe in guter Diktion, einwandfreier Intonation, mit beachtlicher Bandbreite der Tonstärkegrade, fanden wendig und in transparenter Durchgliederung polyphoner Passagen zu beeindruckender Gestaltung. In der Nassauischen Kammerphilharmonie hatten sie einen souverän begleitenden Partner.

 

Auch von den Gesangssolisten lässt sich Gutes berichten - sehr schön Christiane Kohl mit klar aufstrahlendem Sopran, Christa Bonhoff imponierte mit warmer, fülliger Altstimme, Dantes Diwiak mit höhensicherem, ausdrucksvoll gestaltendem Tenor, gleiches gilt für den profund und sonor singenden Bassisten Andreas Pruys.

 

Die Zustimmung für diesen glänzend bewältigten „ökumenischen Kraftakt“ war beim Publikum entsprechend begeistert, und der Applaus wollte kein Ende nehmen.