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Giuseppe Verdi:
Messa da Requiem

Samstag, 13. November 2010, 20 Uhr
Sonntag, 14. November 2010, 17 Uhr

Sopran: Christiane Kohl
Mezzosopran: Christa Bonhoff
Tenor: Dantes Diwiak
Bass: Andreas Pruys

Idsteiner Kantorei, Chor St. Martin, Martinis
Nassauische Kammerphilharmonie

Leitung: Carsten Koch und Franz Fink

Kath. Pfarrkirche St. Martin
Wiesbadener Str. 21, Idstein

Das Konzert wird unterstützt vom Förderkreis Kirchenmusik e.V. Idstein und der Stadt Idstein.

Die Kantoren Franz Fink (lnks) und Carsten Koch
Es kommt viel Emotion rüber

Interview mit Carsten Koch und Franz Fink im Wiesbadener Tagblatt vom 9. Oktober 2010

Carsten Koch
Interview in hr2

Der Hessische Rundfunk sendete ein Interview mit Franz Fink am Samstag, 13. November, in seiner Sendereihe Musikszene Hessen.

Am 30. und 31. Oktober trafen sich die beteiligten Chöre.
Die Solisten

Informationen zu allen Solisten gibt es in Wikipedia, deutsch (einfach im Text ihre Namen anklicken) und englisch.
Did you know ...
... that soprano Christiane Kohl appeared at the Bayreuth Festival as the Rhinemaiden Woglinde in both Das Rheingold and Götterdämmerung?
... that the vocal quartet of Monika Frimmer, Christa Bonhoff, Dantes Diwiak, and Peter Kooy recorded the Augsburger Tafel-Confect ("Augsburg Table Confectionary") of Valentin Rathgeber and Johann Caspar Seyfert?
... that in Bach's St John Passion in the Philharmonie Luxembourg, Christoph Prégardien was the Evangelist and Andreas Pruys sang the words of Christ?

In Idstein fühle ich mich daheim

Die Sopranistin Christiane Kohl, die in Idstein aufwuchs und das Pestalozzi-Gymnasium absolvierte, gab Beke Heeren-Pradt ein Interview, das am 13. November in der Idsteiner Zeitung erschien.

Weitere Information

Letzte Probe mit Orchester
Der letzte, der aus der Kirche geht

In der Reihe des Wiesbadener Tagblatts Mein Wochenende berichtete Beke Heeren-Pradt über das Konzertwochenende für Theodor Zoska, Küster in St. Martin:
Mammutprogramm, Küster Zoska hat für zwei große Konzerte an zwei Tagen alle Hände voll zu tun

Lange Stille, dann begeisterter Applaus, 14. November 2010
Anspruchsvolle Aufgabe

Verdi-Requiem als gelebte Ökumene in St. Martin Idstein, Rezension von Richard Hörnicke am 16. November 2010 im Wiesbadener Tagblatt

Giuseppe Verdi: Messa da Requiem


Messa da Requiem lautet der Name der bedeutendsten geistlichen Komposition von Giuseppe Verdi, die oft kurz Verdi-Requiem genannt wird. Die groß besetzte Totenmesse für vier Solisten, Chor und Orchester wurde im November 2010 zum ersten Mal in Idstein aufgeführt. Die vereinten Idsteiner Kirchenchöre sangen das Werk als ökumenisches Projekt am 13. November um 20 Uhr und am 14. November um 17 Uhr, aus Platzgründen in St. Martin.

Nach Bachs Matthäuspassion und Mozarts Großer Messe stellten sich die Chöre St. Martin einem weiteren Meisterwerk geistlicher Musik.

Ökumenische Zusammenarbeit der Chöre


Die Idsteiner Kantorei, der Chor St. Martin und die Martinis wurden einstudiert und im Konzert dirigiert von Carsten Koch, der die Idsteiner Kantorei seit 2003 leitet, und Franz Fink. Carsten Koch dirigierte die erste Hälfte, Franz Fink die zweite. Die jüngsten Sänger der Martinis im Alt waren 12 Jahre alt, beide Kirchenchöre haben keine Altersgrenze. So wurde nicht nur Ökumene gelebt, auch die Generationen hatten ein gemeinsames Ziel.

Der Chor St. Martin ist seit langem bekannt für ökumenische Zusammenarbeit. Das erste gemeinsame Projekt mit der Idsteiner Kantorei waren die Idsteiner Bach-Tage 2000. Die Chöre sangen gemeinsam bei den ökumenischen Stadtkirchentagen zu Pfingsten 2000 und 2007 und gestalten oft den regelmäßigen ökumenischen Gottesdienst in der jeweils anderen Kirche. Zum Hessentag 2002 sangen sie erstmals gemeinsam ein Konzert in St. Martin, „Die Schöpfung" von Haydn, Edwin Müller dirigierte die erste Hälfte, Franz Fink die zweite.

Das große Projekt wurde vom Förderkreis Kirchenmusik maßgeblich unterstützt. Sein Wirken wurde am 6. Oktober 2008 in der Idsteiner Zeitung gewürdigt unter dem Titel Engagement für europäisches Kulturerbe.

 



Bereit zum Konzert, 14. November 2010

Orchester und Solisten


Die Nassauische Kammerphilharmonie spielt regelmäßig in der Unionskirche, in den Chorkonzerten der Idsteiner Kantorei und in Sinfoniekonzerten, vor allem einem Beethoven-Zyklus. Sie tritt für Verdi in großer Besetzung auf.

Für das Sopransolo kehrt Christiane Kohl in ihre Heimatstadt zurück. Sie singt seit 2002 im Opermhaus Zürich und trat bei den Bayreuther Festspielen 2010 und 2009 als Woglinde und Waldvogel auf. An der Oper Frankfurt singt sie in Wagners „Die Walküre“ die Helmwige.

Die anderen Solisten kommen aus Hamburg. Sie sind Mitglieder im NDR Chor und erfahrene Oratoriensänger. Das Ehepaar Christa Bonhoff (Mezzosopran) und Dantes Diwiak (Tenor) wirkt gerne zusammen, zum Beispiel mit Monika Frimmer und Peter Kooij für das Augsburgische Tafel-Confect von Valentin Rathgeber. Christa Bonhoff studierte an der Hochschule für Musik in Hamburg und nahm Bachs Weihnachtsoratorium und Johannes-Passion auf. In Konzerten sang sie Werke wie Max Bruchs Die Glocke und Arthur Honeggers König David. Dantes Diwiak studierte an der Musikhochschule Hannover bei Theo Altmeyer und nahm Bachs h-Moll-Messe auf. Er interpretierte die Partien des Evangelisten in Bachs Passionen auch im Ausland. In Konzerten wirkte er unter anderem in Rossinis Petite Messe solenelle und Mendelsohns Elias mit.

Andreas Pruys (Bass) war in St. Martin bereits 2009 in der Matthäuspassion die Stimme Christi. Er studierte Gesang an der Folkwang Hochschule. Die Jesusworte der Johannespassion sang er in der Philharmonie Luxemburg mit Christoph Pregardien als Evangelist. Der Bassist trat im Rheingau 2009 in der Schöpfung von Haydn in Geisenheim und in der Basilika von Schloss Johannisberg und beeindruckte. Seine Interpretation der Johannespassion im Dom zu Trier wurde gewürdigt: „Ebenfalls großartig der Bassist Andreas Pruys ... Mit profunder Stimme trat er in Erscheinung und vertrat seine hoffnungslose und gerade deshalb siegesgewisse Partie.“

Verdi und sein Requiem


Giuseppe Verdi, geboren 1813, war ein erfolgreicher Opernkomponist, als 1868 Gioachino Rossini starb. Um ihn zu ehren, regte Verdi die Komposition eines Requiems an, zu dem außer ihm zwölf bedeutende italienische Komponisten beitragen sollten. Verdis Beitrag war der Satz „Libera me“. Das Werk, die Messa per Rossini, kam zustande, nicht jedoch die geplante Aufführung in Bologna am Todestag Rossinis, dem 13. November 1869.

1871 wurde Verdis Oper Aida erfolgreich uraufgeführt. 1873 traf ihn der Tod des Dichters Alessandro Manzoni, den er verehrte. Verdi bot der Stadt Mailand an, ein Requiem zu schreiben, das an Manzonis erstem Todestag aufgeführt werden sollte. Basierend auf der Keimzelle „Libera me“, komponierte er die Messa da Requiem für vier Solisten, Chor und großes Orchester. Im „Libera me“ aus den den Exequien (der Begräbnisliturgie) wird der Anfang der Requiem-Liturgie, der Introitus, wiederholt: „Requiem aeternam dona eis, Domine“ (Ruhe, ewige Ruhe gib ihnen, Herr). Ebenso erscheint der Anfang des „Dies irae“ (Tag des Zorns) erneut im „Libera me“. Verdi knüpfte auch musikalisch in diesen beiden neuen Sätzen an die zuvor komponierte Musik an, wobei er das Dies irae nur wenig veränderte, im Introitus jedoch aus dem Material ganz neuartige Musik entwickelte.

Die Messa da Requiem wurde am 22. Mai 1874 in der Kirche San Marco in Mailand unter Verdis Leitung uraufgeführt. Er dirigierte das Werk noch im selben Jahr in Paris, im Folgejahr in London, Wien, Köln und München. Verdi hatte nicht vor, noch weitere Opern zu schaffen.




Giuseppe Verdi, von Giovanni Boldini, 1886
Verdis beste Oper


Das Requiem wurde oft als Verdis beste Oper bezeichnet. Das war nicht unbedingt positiv gemeint. Doch Verdi selbst schien das Werk als die Erfüllung seines Lebens anzusehen.

Es ist eine Messa da Requiem, eine Totenmesse auf den liturgischen Text, den zuvor schon viele Komponisten vertont hatten. In dieser Hinsicht beschritt Verdi keine neuen Wege, anders als zuvor Brahms, der in seinem Deutschen Requiem in sieben Sätzen Bibelworte vertont hatte, die mit dem Tod konfrontieren.

Verdi verdeutlicht jedoch mehr als seine Vorgänger das Drama, das sich in der menschlichen Seele abspielt in der Furcht vor einem flammenden Gericht. Das Werk beginnt und endet fast tonlos, eine häufige Anweisung an die Sänger lautet: so leise wie möglich. Das Wort Requiem wird zuerst gestammelt, aus einzelnen Worten entwickelt sich der Introitus, Requiem aeternam dona eis, Domine (Ruhe, ewige Ruhe gib ihnen, Herr). Im Kyrie tritt das Solistenquartett zum Chor hinzu, dabei ist jede Stimme individuell geführt. Der Sopran beginnt mit Kyrie eleison, der Bass folgt unmittelbar mit Christe eleison: der Herr, der um Erbarmen angerufen wird, ist Jesus Christus.

Auf den Text Dies irae (Tag des Zorns) erfand Verdi harte, grausam exakte Orchesterschläge und ein stilisiertes Heulen, ein Motiv, das im Laufe des Werks wie ein Leitmotiv erschreckend hereinbricht. Die weiteren Teile der Sequenz sind verschieden besetzt und gestaltet, bilden aber eine Einheit. Tuba mirum: zum letzten Tag blasen acht Trompeten, davon vier als Fernchor. In Liber scriptus bedenkt der Mezzosopran das Buch, in das alles aufgeschrieben ist, nichts bleibt ungesühnt. Äußerst leise, mit düsterer Stimme und sehr traurig, so soll der Chor die mehrfach mahnend eingeworfenen Worte Dies irae singen, ersterbend haucht die Sängerin das Wort nil (nichts) in eine lange Pause, danach wird ein Teil des erregten Anfangs wiederholt. Quid sum miser tunc dicturus (Was werde ich Elender dann sprechen), fragen die drei hohen Solostimmen sehr leise. Der Chorbass stellt ohne Überleitung in feierlich punktiertem Rhythmus im Rex tremendae majestatis den König furchtbarer Majestät vor. Alle anderen Stimmen flehen: Salva me, fons pietatis (Rette mich, Quelle der Güte). Recordare, Jesu pie (Erinnere dich, guter Jesus), der Hinweis auf den Tod am Kreuz ist den solistischen Frauenstimmen anvertraut. Der Tenor bittet als Sünder um Gnade: Ingemisco tamquam reus. Der Bass stellt mit Gewalt (con forza) die Verdammten vor Augen, Confutatis maledictis, doch bittet: voca me cum benedictis (rufe mich mit den Seligen). Der Anfang des Dies irae wird wiederholt, dann vereinen sich alle Stimmen zum Lacrymosa, dem letzten Blick auf den Tränenvollen Tag, der mit der Bitte um ewige Ruhe endet.

Das Offertorio, die Gabenbereitung, wird von den Solisten gestaltet. Es mündet in die Bitte: Fac eas, de morte transire ad vitam (Mach, dass sie vom Tod zum Leben übergehen).

Das Agnus Dei (Lamm Gottes) beginnt wie ein gregorianischer Antwortgesang zwischen den Solistinnen und dem Chor. Dreimal erklingt einstimmig eine innige Bitte um ewige Ruhe, der Chor antwortet in vierstimmigem, jedesmal variierten Satz.

Lux aeterna (Ewiges Licht) erfleht der Mezzosopran, Bass und Tenor schließen sich an: Requiem aeternam.

Libera me (de morte aeterna in die illa tremenda, - befreie mich von ewigem Tod an jenem furchtbaren Tag), so beginnt der Sopran im Sprechgesang, unbegleitet auf einem Ton, senza misura (ohne festes Tempo). Die Fortsetzung kommt dramatisch, nun begleitet, im Takt und in großen Sprüngen: quando caeli movendi sunt et terra (wenn die Himmel sich bewegen und die Erde). Der Chor wiederholt den ganzen Text iim Sprechgesang. Das Zittern des folgenden Abschnitts wird vor allem im Orchester deutlich. Dann bricht erneut das Dies irae herein. Die Bitte um ewige Ruhe erklingt in schlichtem unbegleiteten Chorsatz. Der Sopran wiederholt abgewandelt Libera me, dann folgt eine ausgedehnte vierstimmige Chorfuge, die an die Tradition der Fugen in Rossinis Messe anknüpft. Ihr Thema beginnt mit einer abstürzenden Tonfolge in unbestimmter Tonalität.

In Gegenbewegung beginnt das Sanctus (Heilig) mit einer aufsteigenden reinen Dreiklangs-Folge. Wie bei Jesaja beschrieben, singen die Cherubim und Seraphim einander zu, Verdi setzt dafür einen Doppelchor ein. Hier leuchtet in der Mitte des Werkes eine andere Welt auf.