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Neue klassische Orgel mit 1888 Pfeifen

Idsteiner Zeitung vom 08.11.2005

Von Volker Stavenow

Am 22. Januar 2006 wird das über 380 000 Euro teure Instrument in der St. Martin-Kirche geweiht

 

IDSTEIN Sie kostet über 380 000 Euro, hat 1 888 Pfeifen und wird in der Idsteiner St. Martins-Kirche von Mitarbeitern einer Fachfirma seit rund drei Monaten Stück für Stück aufgebaut: Die neue klassische Pfeifenorgel soll im Januar feierlich eingeweiht werden.

Die Freude ist dem seit 1992 in der Idsteiner katholischen Kirchengemeinde tätigem Kantor Franz Fink ins Gesicht geschrieben, wenn er seinen Blick über die rund 8,50 Meter hohe und 5,50 Meter breite Orgel schweifen lässt. "Zwischen zwei und fünf Fachleute der Orgelbau-Firma Mebold sind seit dem Sommer hier im Kircheninnenraum dabei, unsere neue Orgel aufzubauen", berichtet er stolz.

Vorher wurde die große Pfeifenorgel, deren Gehäuse und Innenteile aus hartem Eichenholz besteht, gut ein Jahr lang in den Betriebsräumen der Siegener Fachfirma auf traditionelle Art und Weise handwerklich gefertigt. "Es wurde Eichenholz verwendet, damit die neue Orgel eine sehr lange Lebensdauer hat", erklärt Mathias Mebold, der mit seinem Kollegen Uli Skriwan in akribischer Kleinarbeit Pfeife um Pfeife am richtigen Platz einbaut. Am 22. Januar 2006 müssen alle Arbeiten abgeschlossen sein: An diesem Tag wird die Orgel in einem Gottesdienst geweiht und ein Gastorganist die bis zu fünf Meter hohen Pfeifen zum gewaltigen Klingen bringen.

Die Geschichte des Orgelersatzes ist in der St. Martin-Gemeinde lang: Seit gut  15 Jahren ist eine neue Orgel im Gespräch. Spenden wurden gesammelt und mit dem Verkauf von selbst gemachter Marmelade, Orgelwein und vielen liebevoll gestalteten Dingen ein weiterer Beitrag zur Finanzierung des Großprojektes geleistet. Im Rahmen des Kirchenumbaus wurde die alten Orgel an eine Gemeinde in Mannheim verkauft. Die entstandene Lücke füllt zur Zeit eine antike Hausorgel, eine Leihgabe von der Mutter des Idsteiner Kantors.

Rückblende: Die Pfarrkirche St. Martin in Idstein wurde 1964 nach einem Entwurf vom Architekten Johannes Krahn erbaut. Nach ersten Ideen des Architekten sollte die Orgel an der Decke hängen und vom elektrischen Spieltisch am Boden aus gespielt werden. 1974 wurde eine mechanische Orgel der Firma Walcker eingebaut. Die Walcker-Orgel wurde am 25.10.1974 eingeweiht. Nach einigen Jahren wurde immer mehr deutlich, dass die verwendeten Materialien dieser Orgel ermüdeten, die Bauweise mit den aufeinander getürmten Werken für die Stimmhaltung bei Temperaturschwankungen in der Kirche von Nachteil und eine Ausweitung des musikalischen Repertoires um romantische und sinfonische Orgelmusik nur schwer zu erreichen ist.

Der damalige Kantor Thomas Gabriel, der von 1989 bis 1991 in Idstein Kirchenmusiker war, trieb deshalb die Idee einer neuen Orgel stark voran. Es wurden Entwürfe für den Bau einer Empore für Chor und Orgel in Auftrag gegeben. Studenten der Idsteiner Bauschule fertigten Modelle an. Der Orgelförderverein wurde ins Leben gerufen.

Da aber der Neubau einer Orgel in jedem Fall mit einer mehr oder weniger aufwändigen Veränderung an der Bausubstanz der Kirche gekoppelt war, nämlich Emporen- oder Chorraumumbau, wurde der Förderverein umbenannt in Förderverein für die Neugestaltung des Kircheninnenraumes. Zudem stand eine Sanierung des Mauerwerks an, welche vor einem Orgelneubau in Angriff genommen werden musste.

Der Pfarrgemeinderat traf schließlich die Entscheidung für den Umbau des Chorraumes und die Errichtung einer neuen Orgel in der Mündung vom Querschiff zum Hauptschiff der Kirche. Dazu musste der Taufstein einen neuen Platz bekommen und der Hauptaltar weiter zur Kirchenmitte hin gezogen werden. Indessen war das Startkapital der Gemeinde durch das unnachlässige Engagement des Fördervereins unter Vorsitz von Dieter Schnell soweit angewachsen, dass eine Realisierung des Projektes in greifbare Nähe rückte. 2002 konnte die Planung einer Orgel beginnen. Die Firma Orgelbau Hans Peter Mebold aus Siegen machte das beste Angebot und erhielt den Auftrag.