Chor St. Martin - Anspruchsvolle Aufgabe

- unter diesem Titel stand die Rezension der Messa da Requiem von Giuseppe Verdi am 13. und 14. November 2010. Das gemeinsame Projekt von drei Chören, geleitet von zwei Kantoren, wurde gewürdigt als Gelebte Ökumene in Idstein.

 

Chor St. Martin, so nannte sich der Chor der Pfarrgemeinde im Jahr 1973 und gab sich damit ein Programm. Wir sind ungefähr 70 Sängerinnen und Sänger, geleitet von Kantor Franz Fink. Unser Anspruch: wir gestalten Gottesdienste mit, inhaltlich abgestimmt und bedeutungsvoll oft über das Sagbare hinaus, und treten in der Regel einmal im Jahr im Konzert an die weitere Öffentlichkeit, 2011 mit Händels MESSIAH. Auch das sehen wir im Grunde als Gottes-Dienst.

 

Wir singen Musik aus sechs Jahrhunderten immer als ein „neues Lied",

ob von Georg Friedrich Händel, Johann Ernst Eberlin oder Jan Sandström.

 

Chor St. Martin und Martinis 2004, Weihnachtsoratorium
Cantate Domino canticum novum

Nach der romantischen Opernmusik von Verdi wandten wir uns Claudio Monteverdi zu, seiner Missa in F und der Motette Cantate Domino, die am 27. Februar im Gottesdienst aufgeführt wurden. Der Komponist ist vor allem durch seine Opern bekannt, denn er schrieb die ersten, die noch immer im Repertoire sind. Doch er war auch Kirchenmusiker an San Marco in Venedig und komponierte zahlreiche Messen und Motteten. Viele von ihnen sind nicht überliefert, da sie für den Tagesgebrauch bestimmt waren, doch die Missa in F wurde in der Sammlung Selva morale e spirituale 1641 als "Messa a 4 da cappella" veröffentlicht. Sie ist für vierstimmigen Chor und basso continuo gesetzt. Wie seinerzeit in San Marco, spielten in St. Martin Instrumente mit, Zink (Thomas Hasselbeck), Barockposaunen (Michael Pausch und Wolfgang Binder) und Dulzian (Dorothee Becker). Helga Lebertz spielte Orgelpositiv. Die Mottete Cantate Domino (Singet dem Herrn ein neues Lied) ist sechsstimmig und enthält Anklänge an Volksmusik, die Monteverdi kunstvoll verarbeitet hat.

Since by man came death

In der Karfreitagsliturgie sangen wir Ave verum corpus von William Byrd und Choräle aus Bachs Matthäuspassion. In der Osternacht sangen wir die Motette Sicut cervus von Palestrina, aus Händels Messiah den Satz "Since by man came death" aus dem dritten Teil und - natürlich - Hallelujah.

Veni Sancte Spiritus

Komm, Heiliger Geist, - diese Worte vertonte der erst 12-jährige Mozart in lateinischer Sprache: Veni Sancte Spiritus. Er schrieb 1768 eine Motette für Soli, Chor und groß besetztes Orchester. KV 47, auf eine Antiphon, die mit denselben Worten beginnt wie die Pfingstsequenz. Er schloss sie mit einem ausgedehnten Alleluja ab, das auch für sich musiziert werden kann. Die Antiphon ist Allegro überschrieben ist, das Alleluja Presto, sehr schnell. Mozart setzte die Solisten sind stets paarweise ein, ihre Partien werden im Gottesdienst vom Chor übernommen, die Orgel ersetzt das Orchester.

Von Michael Praetorius stammt ein Chorsatz von Martin Luthers Lied Nun bitten wir den Heiligen Geist. Der tschechische Komponist Václav Emanuel Horák lebte von 1800 bis 1871 und wirkte als Kirchenmusiker an der Prager Teynkirche. Er vertonte drei Strophen des altkirchlichen Hymnus Veni Creator Spiritus (Komm, Schöpfer Geist), als schlichtes Strophenlied. Graham Waterhouse komponierte eigens für den Chor einen vierstimmigen Chorsatz Halleluja St. Martin, der im Juni 2010 erstmals aufgeführt wurde.

Pfingstmontag 2010
Behold, the Lamb of God

Das Konzert des Jahres 2011 war am 18. September, 17 Uhr, MESSIAH von Georg Friedrich Händel, als Fortsetzung des Projekts Kirchenmusik aus England.

Ave verum corpus

Auf der Chorfahrt nach Höxter, Corvey und Paderborn sang der Chor im Dom zu Paderborn a cappella aus der Missa in F von Claudio Monteverdi (Kyrie, Sanctus und Agnus Dei) sowie das Ave verum corpus von William Byrd.

Sanctus

Am 20. November 2011 singt der Chor zum Fest Christkönig mit dem Orchester St. Martin aus der "Missa secondi toni" von Johann Ernst Eberlin Kyrie, Gloria, Sanctus und Agnus Dei. Der Chor übernimmt auch die solistischen Partien. Der Komponist, ein Zeitgenosse Leopold Mozarts, schrieb die kurze Messe für Salzburg. Er war zeitweilig Lehrer von W.A. Mozart. Sowohl Vater als auch Sohn Mozart schätzten ihn und führten seine Werke auf.

Es ist ein Ros entsprungen

In der Christmette singt der Chor regelmäßig das Lied "Es ist ein Ros entsprungen" im Satz von Michael Praetorius. Der vertraute Satz erklang auch 2011, von Jan Sandström eingebettet in einen achtstimmigen Summchor. Der schwedische Komponist Jan Sandström ist vor allem für sein erstes Konzert für Posaune und Orchester, das Motorbike Concerto, bekannt, das 1989 entstand. 1990 schrieb er Es ist ein Ros entsprungen für zwei Chöre, insgesamt 12 Stimmen a cappella. Der Summchor baut leise aus der Tiefe Zusammenklänge, die sich langsam verändern und intensiver werden. In diesen schimmernden Klangteppich hinein erklingt, ebenfalls sehr langsam, die erste Liedzeile. Die weiteren Zeilen behandelte der Komponist ähnlich und schuf so eine meditative innige Musik für das Geheimnis der Geburt Jesu.

 

Der Chor sangt außerdem "Jauchzet dem Herren" von Heinrich Schütz, der den Text des 100. Psalms durch einen vierstimmigen Chor und einen vierstimmigen Echo-Chor deutete. Hans Leo Haßler setzte "Verbum caro factum est" (Und das Wort ward Fleisch" sechsstimmig, und David Willcocks schrieb für Mendelssohns Melodie "Hark, the herald-angels sing" einen vierstimmigen Satz und eine Sopran-Oberstimme.

 

Der Satz von Sandström ist bei anspruchsvollen Chören sehr beliebt. Er wurde in Frankfurt und Kelkheim in einem Konzert zum Advent am 3. Dezember aufgeführt vom Frankfurter Kammerchor, der das  Progamm 2010 auch in St. Martin sang. Der Chor wurde gegründet und wird geleitet von Wolfgang Schäfer, der an der Frankfurter Musikhochschule ein Lehrer unseres Kantors war.

Bleib bei uns

Wir sind bekannt für gutes Zusammenwirken in Konzerten und Gottesdiensten mit anderen musikalischen Gruppen in der Gemeinde, mit anderen Chören - besonders in ökumenischer Verbundenheit -, mit Orchestern auf Instrumenten der jeweiligen Epoche, mit bedeutenden Solisten.

Die wöchentlichen Chorproben finden am Montag um 20 Uhr im Bischof-Dirichs-Heim statt. Vor einem Konzert gibt es in der Regel ein Proben-Wochenende und Proben für jeweils eine Stimmgruppe zur intensiven Vorbereitung.

Die Gemeinschaft wird gestärkt durch Feiern, Wanderungen und eine jährlichen Chorfahrt. 2008 ging die Reise nach Leipzig. 2011 führte die Fahrt nach Höxter, Corvey und Paderborn.

Jedes Mitglied trägt 18 Euro pro Jahr zu den Gemeinschaftsaufgaben bei.

Alle zwei Jahre wählt die Mitgliederversammlung einen Vorstand, der den Kantor entlastet. Am 19. April 2010 wurde der Vorstand gewählt. Am 31. Januar wurde erneut gewählt, da die bisherige 1. Vorsitzende Idstein verlassen hat. Im Vorstand wirken nun Martina Hoffmann (1. Vorsitzende), Angelika Ehry (2. Vorsitzende), Herbert Ehry (Kassenwart), Tanja Vellage (Schriftführerin), Gerda Arendt (Pressewartin), Martin Kessler (Beisitzer) und Sandra Chávez (Beisitzerin, neu).

 

Wir freuen uns über Sängerinnen und Sänger, die unsere vielschichtigen Aufgaben mittragen möchten.

Chor St. Martin und Martinis 2007, Musik von Arvo Pärt
Lust zum Singen?

Wir freuen uns über Sängerinnen und Sänger, die unsere vielschichtigen Aufgaben mittragen möchten:
nächster Gottesdienst: Christmette, 24. Dezember 2011,23 Uhr Instrumentalmusik ab 22:30 Uhr

Proben: montags 20 Uhr

2012 wollen wir überwiegend Neue Musik singen, einen Vorgeschmack bietet in der Christmette Jan Sandströms "Es ist ein Ros entsprungen" für zwei Chöre, insgesamt 12 Stimmen.

Stimmbildung

Der Chor erhält Stimmbildung von Janina Moeller. Jeweils eine Stimmgruppe kommt dazu bereits eine halbe Stunde vor der gemeinsamen Probe.

Christmette

Jan Sandström: Es ist ein Ros entsprungen
Heinrich Schütz: Jauchzet dem Herren
Hans Leo Haßler: Verbum caro factum est
David Willcocks: Hark, the herald-angels sing
Nun freut euch, ihr Christen
O du fröhliche

Christkönig

"Missa secondi toni" von Johann Ernst Eberlin