singen + hören „oben offen" - 2008

 

1973 gab sich der Chor der Pfarrgemeinde den Namen Chor St. Martin und damit ein Programm. Wir sind ungefähr 65 Sängerinnen und Sänger, geleitet von Kantor Franz Fink. Unsere wesentliche Aufgabe ist es, Gottesdienste mit zu gestalten. In der Regel treten wir einmal im Jahr im Konzert an die weitere Öffentlichkeit. Dabei ist die Grenze fließend: die geistliche Musik, die wir in Konzerten verbreiten, ist eigentlich auch Gottes-Dienst, und die Chorwerke in der Liturgie sind inhaltlich abgestimmt und bedeutungsvoll, oft über das Sagbare hinaus.

Wir singen Musik aus sechs Jahrhunderten immer als ein „neues Lied"

ob von Bach oder Mozart, Flor Peeters oder Arvo Pärt. 

 

Einige von uns - acht mutige Menschen, sechs Frauen und zwei Männer -  sangen im Offenen Chor, der sich am 12. Januar 2008 traf, um Teile einer Missa brevis für Chor und Orgel von Graham Waterhouse (Kyrie und Agnus Dei, beendet am 10. Januar, und Sanctus, beendet am 11. Januar) im Dialog mit dem Komponisten zu probieren, ein gutes Erlebnis für alle Beteiligten.

Für einen normalen Sonntagsgottesdienst erwies sich selbst diese „Kurze Messe" noch als zu lang, denn die Zeitvorstellungen waren anders, als Bach jeden Sonntag für den Gottesdienst eine Kantate von rund 15 Minuten zu „liefern" hatte oder Mozart unter einer Missa brevis eine Komposition in fünf und mehr Sätzen (Kyrie - Gloria - Credo - Sanctus und Benedictus - Agnus Dei ... dona nobis pacem) für vier Solisten, Chor und Orchester verstand. Die festen Teile der Messe rufen Gott an (Kyrie), verherrlichen ihn (Gloria), bekennen ihn (Credo), erleben ihn als heilig und gegenwärtig (Sanctus - Benedictus) und bitten ihn als Befreier von Schuld (Agnus Dei) um seinen Frieden.

Unser Wunsch nach einer ganz kurzen und einfachen Messe in lateinischer Sprache bleibt. Missa Sti. Martini könnte sie heißen, oder Missa smartini - smart und mini. Der Dialog mit dem Komponisten ist offen.

 

Wir singen regelmäßig am Karfreitag, zur Lesung der Passion vertiefende Choräle aus der Matthäuspassion von J.S. Bach, zur Kreuzverehrung unbegleitete Musik von Palestrina (O crux ave), Vittoria (Popule meus) und Karl Fink, dem Vater des Kantors (Dein Kreuz, o Herr, wollen wir tiefgeneigt wir verehren).

Den Jubel in der Osternacht brachten wir unter anderem durch den Satz "Thine o Lord, is the Greatness" von James Kent zum Ausdruck. Im Jahr 2000 sang der Chor im Konzert (im Rahmen der Idsteiner Bachtage) die Osterkantate von Johann Sebastian Bach, BWV 66:

„Erfreut euch, ihr Herzen,

Entweichet ihr Schmerzen,

es lebet der Heiland und herrschet in euch.

Ihr könnet verjagen

das Trauren, das Fürchten, das ängstliche Zagen,

der Heiland erquicket sein geistliches Reich."

 

Im Jahreskonzert 2008 am 18. Mai sangen wir erstmals ein Meisterwerk geistlicher Kunst überhaupt, überragend wie ein Dom, die Große Messe in c-moll von Mozart.

 

Danach begannen sofort die Proben für die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach, die der Chor mit dem Orchester La Beata Olanda bereits 1998 zm ersten Mal aufgeführt hat. Der Chor St. Martin studiert den Chor 1 ein, die Martinis den Chor 2.

 

Vom 23. bis 25. Mai reiste der Chor St. Martin nach Leipzig, wo die Passion des Thomaskantors Johann Sebastian Bach zuerst aufgeführt wurde, vermutlich am Karfreitag 1727. Bei strahlendem Wetter war eine eindrucksvolle lebendige Stadt zu erleben, die besonders für Musikfreunde viel zu bieten hat: den Thomanerchor in Motetten und Gottesdienst, das Mendelssohn-Haus, die Abteilung für Musikinstrumente im Grassi-Museum. Originell war es, im gigantischen Völkerschlachtdenkmal „Locus iste“ zu singen – mit 20 Sekunden Nachhall.
 
Im Gottesdienst vor den Ferien, am 15. Juni, sangen wir unter menschlicheren Umständen „Locus iste“ und Lieder mit der Gemeinde. Am 16. Juni gingen wir in die Sommerferien mit Grillen, Leipzig-Erinnerungen und EM-Fußball.

 

In der Nacht der Kirchen am 29. August unterstützten Chormitglieder den meditativen Wechselgesang von Psalmen. Psalmen sind gesungene Gebete, die bereits Jesus vertraut waren und die in den Stundengebeten der Mönche oder im Evensong englischer Kathedralen besonders gepflegt werden.

Zur Kirchweih am 5. Oktober gab unser Pfarrer einen Impuls: „Fürchtet euch nicht – diesen Satz möchte ich zum Inhalt unseres Kirchweihfest machen." Der Chor fürchtete nicht das Wagnis, eine neue Messe einzustudieren, die „Missa in honorem Sancti Josephi" für Chor und Orgel von Flor Peeters (1903-1986), der an der gotischen Kathedrale von Mechelen/Belgien ab 1923 als Organist wirkte und das Werk 1929 komponierte. Der flämische Komponist wurde 1903 geboren, schloss sein Studium in Mechelen 1923 mit höchsten Ehren ab und wurde sofort als zweiter Organist an die Kathedrale berufen. Nach dem Tod seines Lehrers Oscar Depuydt übernahm er 1925 dessen Aufgaben als Organist und Hochschullehrer.  Er verstand es, schon in dieser frühen Messe durch einfache Mittel - Pentatonik, Anklänge an den Gregorianischen Gesang, farbige Harmonien - das Wesentliche der Messe zu gestalten (wie oben und im Programm zur Mozart-Messe beschrieben), auch dies „Große Musik, die zur Feier wird". Es gibt Chormitglieder, die ihn noch persönlich als Organisten erlebt haben. Mit höchsten Ehren ausgezeichnet starb er 1986. 

Den gewichtigen Orgelpart übernahm Bjanka Ehry. Das Credo wurde nicht musiziert - das Glaubensbekenntnis blieb jedem Einzelnen überlassen -, doch erklang wieder „Locus iste". Der Text, der vom unfassbaren Sakrament spricht, passt zur Kirchweih besser als im Völkerschlachtdenkmal.
 

Am 1. Advent, dem 30. November, sang die Idsteiner Kantorei im Ökumenischen Gottesdienst in St. Martin Sätze aus dem Gloria von Antonio Vivaldi, offen für Mitsänger, denn gemeinsames Singen bedeutet lebendige Ökumene. 

Am 2. Advent, dem 7. Dezember, musizierten der Chor und das Orchester St. Martin im Gottesdienst mit der Gemeinde Adventslieder.

 

Musik zur Vorbereitung auf die „Stille Nacht“ brachte der Chor St. Martin am Heiligabend vor der Christmette. „Dixit Maria“ von Hans Leo Hassler lässt die Antwort Marias an den Verkündigungsengel miterleben: „Mir geschehe nach deinem Wort“. In Maria und auch in uns soll Neues geboren werden. „Übers Gebirg Maria geht“, so beginnt eine fünfstimmige Komposition von Johannes Eccard (1553-1611). Die erste Strophe beschreibt die Begegnung der schwangeren Frauen Maria und Elisabeth, Maria stimmt froh eine Kurzfassung des Magnificat an: „Mein Seel den Herrn erhebet, mein Geist sich Gottes freuet. Er ist mein Heiland, fürchtet ihn, er will allzeit barmherzig sein.“ Die zweite Strophe fragt uns ganz direkt: „Was bleiben immer wir daheim?“ und fordert uns auf, einander ebenso zuzusprechen, in barocker Sprache: „des Geistes Gruß das Herz auftu, davon es freudig werd und spring …“.

 

Ein neues Stück für den Chor ist „Angels’ Carol“ – Weihnachtslied der Engel – von John Rutter, wieder einmal Chormusik aus England. Brightly – strahlend soll es klingen, wenn in drei Strophen die Neuigkeit vom Himmel verbreitet wird “He will bring new light to a world in darkness“ – er wird neues Licht bringen zu einer Welt in Dunkelheit. Der Komponist verfasste den Text selbst und ließ alle Strophen münden in „Gloria in excelsis Deo“.

 

Im Wechsel mit der Gemeinde wurden gesungen „Ich steh an deiner Krippen hier", „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich", „Nun freut euch, Ihr Christen", „Fröhlich soll mein Herze springen", „Es ist ein Ros entsprungen" und „O du fröhliche, o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit". 

 

Thou knowest, Lord, the secrets of our hearts

Bereits 2005 begannen wir mit dem Schwerpunkt Chormusik aus England .

Am 14. November 2008 ließ Giora Feidman inspirierend seine Klarinette singen, und Matthias Eisenberg spielte begeistert die Orgel, so begeistert, dass er vom ausgedruckten Programm abwich.

 

Geistliche Abendmusik am 25. November 2007: Der Chor St. Martin und Martinis singen gemeinsam Werke von Arvo Pärt
Gratias agimus tibi - Dank handeln wir dir

Wir sind bekannt für gutes Zusammenwirken in Konzerten und Gottesdiensten

mit anderen musikalischen Gruppen in der Gemeinde, mit anderen Chören - besonders in ökumenischer Verbundenheit, mit Orchestern auf Instrumenten der jeweiligen Epoche, mit bedeutenden Solisten.

Die wöchentlichen Proben finden am Montag um 20 Uhr im Bischof-Dirichs-Heim 

statt. Anschließend gehen manche gemeinsam essen, andere bleiben noch kurz

im Gespräch zusammen. Vor einem Konzert gibt es in der Regel ein Proben- Wochenende zur intensiven Vorbereitung. 

Die Gemeinschaft wird gestärkt durch Feiern, Wanderungen und einen jährlichen Chorausflug. Dies Jahr ging die Reise nach Leipzig auf den Spuren der Thomaner, im Jahr 2006 nach England zum Evensong, 2005 an den Main um Kitzingen.

Dazu trägt jedes Mitglied mit 18 Euro pro Jahr bei.

Alle zwei Jahre wählt die Mitgliederversammlung einen Vorstand, der den Kantor entlastet. Seit dem 21. Februar 2005 besteht der Vorstand aus sieben gewählten Mitgliedern, von denen fünf seit 1997 tätig sind. Am 25. Juni 2007 wurden alle sieben einstimmig in ihren Ämtern bestätigt. 

 

Wir freuen uns über Sängerinnen und Sänger, die unsere vielschichtigen Aufgaben mittragen möchten.

 

Typisch Chor St. Martin - mit Instrumenten der Epoche
Lust, auch zu singen?

Wir freuen uns über Sängerinnen und Sänger, die unsere vielschichtigen Aufgaben mittragen möchten.
Konzertprojekt 2009, Palmsonntag, 5. April:
Johann Sebastian Bach: Matthäuspassion

Singen ist Ausdruck unseres Glaubens!

Lesen Sie eine frühe Predigt unseres neuen Bischofs
Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst

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Rückblick auf vergangene Jahre

zeigt, welche Musik uns am Herzen liegt und für welche Aussagen wir uns einsetzen:

2007 Dieterich Buxtehude, J.S. Bach, Arvo Pärt
2006 John Rutter, Thomas Tallis, Franz Xaver Brixi
2005 Chormusik aus England
2004 J.S. Bach Weihnachtsoratorium
2003 G.F.Händel Utrechter Te Deum und Jubilate
2002 F.J. Haydn Die Schöpfung
2001 Rutter Requiem, Britten The Company of Heaven
2000 J.S. Bach Erfreut euch, ihr Herzen
1999 Puccini Messa di Gloria
1998 J.S. Bach Matthäuspassion

Graham Waterhouse

Der Musiker Graham Waterhouse, der Gemeinde persönlich verbunden, komponierte vor seinen Chorwerken vor allem Kammermusik.

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