Ganz neu und andersartig

Das dritte ökumenische Chorprojekt mit Werken des 21. Jahrhunderts von Karl Jenkins fand im Februar 2015 bei den Ausführenden und ihrem Publikum begeisterte Zustimmung.

Chor St. Martin, so nannte sich der Chor der Pfarrgemeinde im Jahr 1973 und gab sich damit ein Programm. Wir sind ungefähr 70 Sängerinnen und Sänger, geleitet von Kantor Franz Fink. Unser Anspruch: wir gestalten Gottesdienste mit, inhaltlich abgestimmt und bedeutungsvoll oft über das Sagbare hinaus, und treten in der Regel einmal im Jahr im Konzert an die weitere Öffentlichkeit. Auch das Konzert sehen wir im Grunde als Gottes-Dienst.

Wir singen Musik aus sechs Jahrhunderten immer als ein „neues Lied", ob von Johann Kuhnau, Gabriel Fauré oder Karl Jenkins.

Tristis est anima mea

In der Karfreitagsliturgie sang der Chor erstmals die fünfstimmige Motette Tristis est anima mea, die Bachs Vorgänger als Thomaskantor in Leipzig zugeschrieben wird. In den lateinischen Worten, einem Responsorium zum Gründonnerstag, spricht Jesus zu seinen Jüngern. Ausgehend vom Evangeliumswort "Meine Seele ist betrübt bis in den Tod" sagt er im Garten Gethsemane voraus, dass er gefangengenommen wird, sie die Flucht ergreifen werden und er gehen wird, um für sie geopfert zu werden. Die Motette wurde bereits in der Bach-Biographie von Philipp Spitta als Meisterwerk hervorgehoben, und Bach bearbeitete sie mit einem deutschen Text und zusätzlichen Instrumentalstimmen.

Der Chor sang außerdem Georg Aichingers Adoramus te, Christe, Anton Bruckners frühes Christus factus est aus einer Messe für den Gründonnerstag, und eine Antiphon Dein Kreuz, o Herr, wollen tief geneigt wir verehren, die Karl Fink, der Vater des Chorleiters, komponiert hat.

Das Grab ist leer

In der Osternacht feierte der Chor, zu den Lesungen mit zwei Zwischengesängen von Karl Fink, Sende aus deinen Geist und Singen will ich dem Herrn, mit den Liedern Gelobt sei Gott im höchsten Thron im Satz von Melchior Vulpius, Heut triumphieret Gottes Sohn von Bartholomäus Gesius und Das Grab ist leer im neuen Satz von Markus Melchiori (2003), und mit Hallelujah Amen aus Händels Oratorium Judas Maccabaeus.

Veni Sancte Spiritus

Im traditionellen ökumenischen Gottesdienst am Pfingstmontag, 25. Mai, 10 Uhr, sang der Chor eine Komposition des zwölfjährigen Mozart, Veni, Sancte Spiritus, KV 47, die in einem ausgedehnten Halleluja endet. Im Marienmonat Mai erklang zum Abschluss Salve Regina von Arvo Pärt, 2002 im Essener Dom uraufgeführt. Am 22. Mai 2002 wurde die 1150-Jahrfeier des Stifts Essen am 75. Geburtstag des damaligen Bischofs Hubert Luthe begangen. Er wünschte sich, dass mit einer Vertonung des Textes die Goldene Madonna geehrt wurde. Pärt schrieb ein Werk für Chor und Orgel, in dem die Orgel in stetiger Bewegung im ruhigen Dreiertakt fast pausenlos erkling, während die Stimmen in langsamen gedehnten und meist leisen Einwürfen die Anrufe des Gebets vortragen. Manchmal singen nur drei hohe Stimmen oder zwei tiefe Stimmen, doch in einem Ausbruch kurz vor Schluss rufen acht Stimmen intensiv: Zeige uns Jesus nach diesem Elend.

Locus iste

Zur Feier 50 Jahre Kirche St. Martin wirkten die Chöre und das Orchester St. Martin zusammen. Die musikalischen Gruppen studierten für den Anlass eine neue Messe ein, die Missa brevis in C von Franz Xaver Brixi, der von 1759 bis 1771 am Veitsdom in Prag Kapellmeister war. Außerdem sangen sie Bruckners bekannte Motette Locus iste und Nun danket alle Gott im Satz von John Rutter.

Missa brevis

Zum Abschied von Pfarrer Paul im Hochamt am 6. September musizierten die Chöre und das Orchester St. Martin einige Werke, die er sich gewünscht hatte, Sätze aus der Missa brevis Sancti Joanni de Deo von Joseph Haydn und Händels Halleluja aus dem Oratorium Messiah.

Haydn komponierte die kurze Messe in den 1770er Jahren in Eisenstadt, wo er am Hof des Fürsten Esterhazy arbeitete. Er schrieb sie für den dortigen Orden der Barmherzigen Brüder, deren Patron ihr Gründer Johannes von Gott ist. Das Werk ist bescheiden besetzt mit einem Solo-Sopran, vierstimmigem Chor, zwei Violinen und basso continuo. Die Orgel tritt im Satz Benedictus solistisch hervor im Dialog mit dem Sopran, was der Messe den Beinamen Kleine Orgelsolomesse eintrug. Das Benedictus ist ausführlich liebevoll gestaltet, während Haydn die Sätze Gloria und Credo betont kurz hält, indem er den langen Text aufteilt, verschiedenen Stimmgruppen zuordnet und sie gleichzeitig musizieren lässt. Sein Bruder Michael Haydn, der die Messe in Salzburg aufführen wollte, sah sich genötigt, alternativ eine Fassung mit fortlaufendem Text zu komponieren, weil die Verkürzung dort im Namen der Textverständlichkeit nicht erwünscht war. Der abschließende Satz Agnus Dei ist als einziger sorgfältig mit Vortragsbezeichnungen versehen, die dynamische Kontraste vorschreiben. Er lässt das Werk mit dem Text Dona nobis pacem (Gib uns Frieden) betont ruhig ausklingen.

Psallite Deo nostro

Zur Einführung von Pfarrer Brast im Gottesdienst am 19. September 2015, 17 Uhr, musizierten die Chöre und das Orchester St. Martin unter anderem Sätze aus der Missa inventionis Sanctae Crucis von Johann Caspar Ferdinand Fischer, einer wenig bekannten Messe eines Zeitgenossen von Johann Sebastian Bach., die bereits 2006 aufgeführt wurde, und Bachs Psallite Deo nostro.

In Paradisum

Der Chor sang am 15. November, 17 Uhr, ein Chorkonzert mit zwei neu einstudierten Werke von Gabriel Fauré, in bewährter Weise zusammen mit den Martinis. Das Hauptwerk Requiem wurde ergänzt um das Morgenlied Cantique de Jean Racine, in dem der Komponist im Alter von erst 19 Jahren eine französische Umdichtung eines Ambrosianischen Lobgesangs vertonte.

Es ist ein Ros entsprungen

In der Christmette am 24. Dezember, 23 Uhr, sang der Chor wie üblich, doch diesmal unterstützt von den Martinis für ein besonderes Werk: Es ist ein Ros entsprungen, in dem der schwedische Komponist Jan Sandström den vierstimmigen Chorsatz von Michael Praetorius mit dem Heiligenschein eines achtstimmigen Summchors umgibt. Außerdem erarbeitete der Chor zwei neue Werke der Renaissance, Hodie Christus natus est (Heute wurde Christus geboren) von Giovanni Paolo Cima, der um 1600 in Mailand wirkte, und O magnum mysterium (O großes Geheimnis) von Tomás Luis de Victoria, der als einer der bedeutendsten Komponisten Spaniens gilt. Beliebte Weihnachtslieder werden im Wechsel mit der Gemeinde gesungen, zum Beispiel Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich und O du fröhliche.

Ausflug nach Oppenheim

Am 11. Oktober 2014 reisten Chormitglieder und Angehörige nach Oppenheim, wo sie kundig durch die Stadt und die unterirdische Stadt geführt wurden. Ein Höhepunkt war es, in der hervorrageden Akustik der gothischen Katharinenkirche zu singen.

Chorwanderung

Wanderfreudige Chormitglieder gingen zu Fuß zur Abschlussfeier vor den Ferien am 21. Juli 2014.
Bleib bei uns

Wir sind bekannt für gutes Zusammenwirken in Konzerten und Gottesdiensten mit anderen musikalischen Gruppen in der Gemeinde, mit anderen Chören - besonders in ökumenischer Verbundenheit -, mit Orchestern auf Instrumenten der jeweiligen Epoche, mit bedeutenden Solisten.

Die wöchentlichen Chorproben finden am Montag um 20 Uhr im Bischof-Dirichs-Heim statt. Vor einem Konzert gibt es in der Regel ein Proben-Wochenende und Proben für jeweils eine Stimmgruppe zur intensiven Vorbereitung.

Die Gemeinschaft wird gestärkt durch Feiern, Wanderungen und eine jährlichen Chorfahrt. 2008 ging die Reise nach Leipzig. 2011 führte die Fahrt nach Höxter, Corvey und Paderborn. 2012 nach Bamberg, 2013 nach Speyer.

Jedes Mitglied trägt 18 Euro pro Jahr zu den Gemeinschaftsaufgaben bei.

Alle zwei Jahre wählt die Mitgliederversammlung einen Vorstand, der den Kantor entlastet. Am 24. März 2014 wurde der Vorstand gewählt. Wiedergewählt wurden Martina Hoffmann (1. Vorsitzende), Angelika Ehry (2. Vorsitzende), Herbert Ehry (Kassenwart), Tanja Vellage (Schriftführerin), Gerda Arendt (Pressewartin) und Sandra Chávez (Beisitzerin).

 

Wir freuen uns über Sängerinnen und Sänger, die unsere vielschichtigen Aufgaben mittragen möchten.

Chor St. Martin und Martinis proben 2013 (Bild: amp)
Lust zum Singen?

Wir freuen uns über Sängerinnen und Sänger, die unsere vielschichtigen Aufgaben mittragen möchten:
2015 sangen wir zuletzt ein Konzert mit dem Requiem von Fauré am 15. November. 2016 steht Haydns Schöpfung auf dem Progamm für ein internationales ökumenisches Projekt mit Konzerten in Idstein am 16. April und in Zwijndrecht (Belgien) am 23.April. Wir proben montags von 20 bis 22 Uhr.

Christmette

24. Dezember 2015, 23 Uhr
Jan Sandström: Es ist ein Ros entsprungen
Giovanni Paolo Cima: Hodie Christus natus est
Tomás Luis de Victoria: O magnum mysterium
Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich
O du fröhliche

Karfreitag

3. April 2015, 15 Uhr
Adoramus te, Christe (Gregor Aichinger:
Christus factus est (Anton Bruckner, aus WAB 9)
Dein Kreuz, o Herr (Karl Fink)
Tristis est anima mea (Kuhnau)

Osternacht

4. April 2015, 21 Uhr
Sende aus deinen Geist (Karl Fink)
Singen will ich dem Herrn (Karl Fink)
Gelobt sei Gott im höchsten Thron (Vulpius)
Heut triumphieret Gottes Sohn Gesius)
Das Grab ist leer (Melchiori)
Hallelujah Amen (Händel)