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Andreas Scholl und Ulrich Cordes: "O death, where is thy sting?"
MESSIAH 18. September 2011

Zum Chorkonzert: Programm, Probenfotos, Hintergrund

Weitere Information

Weltbekannte Solisten

Bachs Solokantate für Alt, Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust, BWV 170, für den sechsten Sonntag nach Trinitatis wurde aufgenommen von Maureen Forrester, Julia Hamari und Andreas Scholl.
(Wikipedia recent additions 11. Juli 2010)

Markus Flaig brachte Händels "darkness and great light" nach St. Martin, Idstein.
(22. September 2011)

Ein Rezensent schrieb, dass "Katia Plaschka, ganz zutreffend beschrieben als ein hoher Sopran, Musik von stratosphärischer Schwierigkeit singt", bezogen auf Luigi Nonos Musik.
(23. September 2011)

Tenor Ulrich Cordes war der Evangelist in Bachs Matthäuspassion in St. Martin, Idstein, in der Berliner Philharmonie und im Palais des Beaux-Arts, Brüssel.
(30. September 2011)

Ulrich Cordes probt "Behold and see".
"Messiah" gehört

Händels geniale Musik wurde in der Kirche St. Martin zum Klingen gebracht.
Idsteiner Anzeiger
22. September 2011

Alle waren begeistert, selbst Gäste aus Massachusetts, die das Werk schon 40 mal gesungen haben, schrieben: "We are so glad that we were here for it.".
Idstein erlebte in St. Martin Händels Oratorium Messiah. Am Samstag verfolgten interessierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene aufmerksam die Probe, am Sonntag lauschten die Zuhörer in der voll besetzten Kirche, wie die ausgezeichneten Solisten Katia Plaschka, Andreas Scholl, Ulrich Cordes und Markus Flaig, das einfühlsam spielende Main-Barockorchester Frankfurt und die gut vorbereiteten Chöre, Chor St. Martin und Martinis, geleitet von Franz Fink Händels geniale Musik zum Klingen brachten, die der Komponist den besten Musikern Londons auf den Leib geschrieben hatte. Das Publikum spendete anhaltenden Beifall im Stehen. "Nie langweilig", sagte eine Besucherin, obwohl das Konzert 2 1/2 Stunden dauerte. - Vorschau: am 30. Oktober wird in St. Martin in einem Konzert um 17 Uhr das letzte Register der Mebold-Orgel, die Vox humana, eingeweiht.

Applaus
Mit Hingabe und Präzision


20.09.2011 - IDSTEIN

Von Beke Heeren-Pradt (Wiesbadener Tagblatt)

KONZERT I Countertenor Andreas Scholl bei der „Messiah“-Aufführung in St. Martin Idstein

„Messiah - an Oratorio“ - mit dieser schlichten Überschrift hat Georg Friedrich Händel sein wohl berühmtestes Werk versehen. Er schrieb das Werk vor exakt 270 Jahren in nur 24 Tagen nieder, aus Dankbarkeit für seine Genesung von schwerer Krankheit und mit großer religiöser Hingabe an die christliche Verheißung des ewigen Lebens.

Im englischen Sprachraum ist Händels „Messiah“ das mit Abstand bekannteste Oratorium, und es vergeht kein Kirchenjahr ohne eine Aufführung des Stückes, dessen Allgemeingültigkeit Aufführungen zu jeder Jahreszeit passend sein lässt.

In der Idsteiner katholischen Pfarrkirche St. Martin erklang am Sonntag zum ersten Mal das Oratorium des deutschen Komponisten, der den Großteil seines Lebens in London verbrachte. Und es wurde im englischsprachigen Original aufgeführt - so wie Händel dies auch vorgesehen hatte.

Die beiden Chöre der Gemeinde, der Chor St. Martin und die Martinis, hatten außer dem souverän und verlässlich aufspielenden Main-Barockorchester aus Frankfurt, das passend zum Stück auf Originalinstrumenten spielte, eine illustre Reihe von hervorragenden Gesangssolisten eingeladen, die der von Chorseite sorgfältig vorbereiteten Aufführung regelrechte Glanzlichter hinzufügten. So enthielt die in sich sehr geschlossene Aufführung unter einfühlsamer Leitung und ruhigem Dirigat von Kantor Franz Fink eine Reihe von Höhepunkten mit Arien wie „Rejoice greatly“ und „I know that my Redeemer liveth“ von Sopranistin Katja Plaschka, „He was despised“ mit Altus Andreas Scholl, „Every valley shall be exalted“ des Tenors Ulrich Cordes und „The trumpet shall sound“ mit Bassist Markus Flaig.

Sehr gute Transparenz in der Interpretation der Chöre schaffte beste Textverständlichkeit. Ein wenig frischere Tempi in den Chorsätzen vor allem im ersten Teil des Konzertes hätte der Aufführung keinen hektischen Ausdruck verliehen. Gleichwohl war eine der Stärken des Konzertes die ausgewogene Ruhe der Interpretation, die dennoch immer wieder Höhepunkte hervorbrachte durch sorgfältig entwickelte Dynamik und groß angelegte Spannungsbögen, die zum Beispiel die unterschiedlichen Teile des berühmten „Hallelujah“-Chores im zweiten Teil zu einem großartig gestalteten, spannungsreichen Ganzen vereinte, das seiner Funktion als Schlusschor des zweiten Teiles, der in den Lobpreis Gottes mündet, auf diese Weise besonders gerecht wird. Der Glücksumstand der persönlichen Bekanntschaft des Kantors Franz Fink mit Andreas Scholl brachte den Star-Sänger in die Idsteiner Aufführung und mit ihm die Meisterschaft eines international gefeierten Altus. Perfektes Timing in den Rezitativen, eindringliche Deklamation, technisch perfekte Gestaltung und Phrasierung der Arien - all das zusammen mit Hingabe an die Musik von Händel und den Text von Charles Jennens machte das Konzert zu einem großen Erlebnis, zu dem die drei anderen Solisten einen ebenso wesentlichen Beitrag leisteten. Mit großartiger Fülle der Bass Markus Flaig, mit schlankem Ton in der Höhe und schöner Gestaltung der Koloraturen der Tenor Ulrich Cordes und Katia Plaschka mit ihrem klaren und hellen Sopran. Franz Fink gelang mit dieser auch in ihrer religiösen Aussage intensiven Aufführung des „Messiah“ ein beachtenswertes Konzert, das wieder beweisen konnte, dass musikalische Klasse auch außerhalb der Großstädte zu finden ist.

Erhabene innere Ruhe


20.09.2011 - IDSTEIN

Von Doris Kösterke

(Wiesbadener Kurier, Wiesbadener Tagblatt, Allgemeine Zeitung, Main-Spitze)

KIRCHENMUSIK  „Messiah“ in Idstein

Unaufgeregte Leichtigkeit prägte die Interpretation des „Messiah“ in der Katholischen Pfarrkirche St. Martin unter der Leitung von Franz Fink. Das Klangideal einer historisch informierten Aufführungsprasis stellte den Hörwinkel bereits in der eröffnenden „Symphony“ auf eine eher introvertierte Grundhaltung ein.

 

Passende Verzierungen

In einem mit passenden Verzierungen angereicherten „Comfort ye“ ergoss Ulrich Cordes seinen weich timbrierten Tenor wahrhaftig tröstend über die Zuhörer. Eine in lichter Höhe verankerte, ins Schwarze reichende Tiefe zeichnete den Bassisten Markus Flaig aus. Bestens aufgelegt wirkte auch Altus Andreas Scholl. Seine in der Arie „But who may abide the day of His coming” in blühenden Höhen gestellten Fragen fanden im Main-Barockorchester Frankfurt ein geschmeidig fortführendes Echo. Seine Arie „He was despised“ war der gestalterische Höhepunkt des gesamten Konzerts.

Sopranistin Katia Plaschka bezauberte ganz besonders in ihrer Arie „I know that my Redeemer liveth“. An dem um die jugendlichen „Martinis“ bereicherten Chor St. Martin gefiel die schlanke, vibrato- und druckfreie Stimmkultur, vor allem die strahlend schwebenden Sopranstimmen. Die Verankerung im Höhenklang bedingte auch eine sichere Intonation. Bemerkenswert sauber und klangschön agierten die beiden Barocktrompeter. Die Länge des handlungslosen Werks - auch die Idsteiner Aufführung füllte mit Pause und verdienten Ovationen ihre drei Stunden - bringt viele Herausforderungen mit sich. Bisweilen hätte man sich das Orchester doch ein wenig zupackender, klangmalender gewünscht. Etwa im Mittelteil der von Andreas Scholl mit geradezu gefrierender Eindringlichkeit zelebrierten Arie „He was despised“, im Chorsatz „Surely He hath borne our griefs“, oder im Untermalen der Tenor-Arie „Thou shalt break them“.

 

In der Nähe des Herzschlags

Die Enthaltsamkeit gegenüber Händels Theatralismen war zwar ebenso ermüdend wie die konstant in der Nähe des Herzschlags bleibenden Tempi. Doch beides fügte sich zu erhabener innerer Ruhe.