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Zarter Übergang vom Leben in den Tod

Geistliche Abendmusik mit Chorwerken von Bach in der St. Martin-Kirche / Lebendige Kirchenmusik am 1. Advent

 

iz. IDSTEIN Es ging um den Tod und war doch sehr lebendig in der geistlichen Abendmusik mit Chorwerken von J.S. Bach in St. Martin: Am letzten Sonntag des Kirchenjahres sprach Pfarrer Jürgen Paul zum Thema „Zeit - Ewigkeit", Begräbnismotetten wurden gesungen von den Martinis und dem Chor St. Martin, als Hauptwerk gestalteten die Martinis die einzigartige frühe Trauerkantate „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit", die unter dem Beinamen „Actus tragicus" berühmt wurde.

Der „Evangelist" Christoph Claßen stellte sich in eine Reihe mit dem Chor, Carsten Koch (Organist der Unionskirche) und Tobias Bonz (Cellist der „Antichi Strumenti") sorgten für den basso continuo, der alle Mitwirkenden in belebter Bewegung hielt, Choristen traten aus der Gruppe heraus, um Blockflöte oder Viola da Gamba zu spielen.

Zu Beginn füllte der Chor St. Martin das „große Rund hinter dem Altar" und sang die Motette „O Jesu Christ, meins Lebens Licht" (BWV 118), entstanden um 1736 in Bachs Leipziger Amtszeit. Eine solche Motette wurde mit vielen Strophen auf dem Weg zum Grab musiziert. Bläser wie Zinken und Posaunen begleiteten die Sänger im Freien. In der Kirche sang der Chor nur zwei der elf Strophen, getragen von einem durchgehenden ruhigen Rhythmus in Violine, Flöten und Gamben.

Pfarrer Paul sprach über die andere Art des Sterbens zu Bachs Zeit als heute, wo der Tod gerne aus dem täglichen Leben verdrängt wird. Danach gingen die Martinis für die Motette „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn" als zweiter Chor in den Chorraum. Pfarrer Paul sprach über die christliche Hoffnung, dass der Tod ein Übergang ist. Die Kantate bringt genau dies zu unerhörtem Ausdruck. Bach vollendete sie vermutlich im Jahre 1707 in Mühlhausen. Die Martinis sangen das jugendfrische Werk, das auf einem beziehungsreichen Geflecht von Worten aus dem Alten und Neuen Testament und Kirchenliedern beruht. Im Zentrum der Kantate - analog zur Kuppel der Frauenkirche - erklingen gleichzeitig und aufeinander bezogen drei Elemente: das alttestamentliche „Es ist der alte Bund: Mensch, du musst sterben" in absichtlich traditionellem dreistimmigen Fugensatz der tiefen Chorstimmen, dazu instrumental zitiert das Lied „Ich hab mein Sach Gott heimgestellt" und schließlich das erwähnte „letzte Wort" der Bibel, einer einzelnen Stimme in den Mund gelegt, die es zuletzt ganz ohne instrumentale Stütze aushaucht.

Gunild Blumenroth, die beiden Chören angehört, gestaltete den Übergang vom Leben in den Tod zart und gefasst. Die Martinis besangen den „alten Bund" nicht hart, sondern fast mitleidend. Nach einer langen sprechenden Pause begann das Cello mit einer frei und leicht aufsteigenden Linie die Begleitung zu den Worten „In deine Hände befehl ich meinen Geist" aus Psalm 31, die auch Jesus am Kreuz gesprochen hat, im Psalm fortgesetzt „du hast mich erlöset" - die Andeutung des Übergangs vom Tod zum Leben.

Der Schlusssatz „Glorie, Lob, Ehr und Herrlichkeit" erschien wie eine Fortsetzung der „Chormusik aus England" ("Glory ...").

Schon am 1. Advent geht die lebendige Kirchenmusik in St. Martin weiter, dann singt die Idsteiner Kantorei im ökumenischen Gottesdienst. Der Chor St. Martin gestaltet, wie üblich, die Christmette, die Martinis das weihnachtliche Hochamt am 25. Dezember. Die neue Orgel wird am 22. Januar 2006 eingeweiht.

 

Aus der Idsteiner Zeitung vom 23.11.2005